Wir reisen über einen kleinen Grenzposten am Stausee da Bamposta nach Portugal ein und sichten zum ersten mal den schönen grün-blauen Douro, der sich durch das Tal windet. Die Strasse führt uns weit ab vom Fluss durch’s Landesinnere. Erst in Pinhao treffen wir erneut den Douro, an dessen steilen Ufern die Reben für den Porto wachsen. Damit die Rebenterrassen besser halten sind sie mit Olivenbäumen umrandet. Per Schiff gelangen die Weinfässer nach Porto zur Lagerung und Fertigstellung des Portweins. Im mit Azulejos geschmückten Bahnhof wird abends eine Portweindegustation angeboten.
Nördlich von Lissabon fegte im Oktober der Sturm Leslie über das Land und richtete enorme Schäden an. Die abgedeckten Häuser und gebrochenen Masten waren grösstenteils geflickt bis wir da waren, aber die Verwüstung der Pinienwälder wird noch lange sichtbar bleiben. Hunderttausende Bäume sind geknickt. Kaum haben wir die Folgen dieser Naturgewalt durchfahren, bietet sich ein anderes schreckliches Bild. Riesige Waldabschnitte sind durch die Brände 2016 und 2017 zerstört worden.
Wir sind traurig und empfinden es als sehr ungerecht, dass ein so armes Land, das kämpft um die Lebensgrundlage der Bevölkerung zu verbessern, zusätzlich durch solche Katastrophen geschwächt wird. Wir fahren weiter und wählen einen einsamen Strandplatz.
Es gibt sehr viele Zeugnisse historischer Zeiten zu besichtigen: Stadtmauern, Burgen, Klöster und Kirchen. Um 1500, als Portugal reich und wohlhabend wurde dank der Kolonien, wurden auch ihre Kirchen mit orientalischen Ornamenten geschmückt. Es hat sich ein ganz eigener Stil, die Manuelinik entwickelt.
Es zieht uns immer wieder an die wunderbare Atlantikküste. Wir sind fasziniert von den verschiedenartigen Küsten: endlose Sandstrände, dann wieder schroffe und hohe Felsen. Auch die eindrücklichen Gezeitenwechsel und das tosende Meer lassen uns staunen. Leider ist die Luft zu kalt um ein 17 grädiges Meerbad verkraften zu können, wir überlassen dies den Surfern, die stundenlang paddeln um gelegentlich eine Welle reiten zu können.
Abseits der grossen Strassen gelangen wir in der Nähe von Evora in ein grosses Gebiet mit Korkeichen. Die Felder sind eingezäunt und schon bald sehen wir warum. Nicht nur Kork wird hier gewonnen, sondern hier gedeihen auch prächtige Freilandschweine.
Aber wie entsteht nun ein Korkzapfen und was bedeuten die aufgemalten Ziffern an den abgerindeten Bäumen?

Wir finden in Arzaruja die Korkverarbeitungsfabrik Korkarte und erhalten eine wunderbare Erklärung zur Korkverarbeitung:
Die Korkeichen können im Alter von 25 Jahren zum ersten Mal geerntet (abgerindet) werden und dann alle 9 Jahre wieder. Das Erntejahr wird auf dem Baum markiert. Abgerindet wird von Hand, maschinell käme es viel zu oft zu einer Verletzung der inneren Rinde und eine solche überlebt die Eiche nicht. Geerntet wird in den Sommermonaten, danach wird die Rinde getrocknet und 2x gebrüht und wieder getrocknet. Damit wird sie flexibel und Kork kann nun gewonnen werden. Ab einer Korkdicke von 3.5cm können Weinzapfen gestanzt werden. Eine solche Rindendicke haben Bäume erst in einem Alter von 45 Jahren. Es ist also Geduld gefragt, aber ein gut gepflegter Baum wird über 100 jährig! Es wird nichts weggeworfen, dazu ist Kork viel zu kostbar. Dünner Kork wird z.B. zu Bodenplatten oder Geschenkartikeln verarbeitet und Abschnitte zu gepresstem Kork (billigere Weinzapfen) und Pellets, die als Isolationsmaterial dienen.
Wir haben die Jungfernfahrt durch Portugal mit unserem Gefährt sehr genossen und viele nette, hilfsbereite und fröhliche Portugiesen kennengelernt. Obrigado!
