Am 15. September gehts los nach Südamerika. Der IVECO wird mindestens 14 Tage nach uns ankommen, das lässt uns Zeit die Städte Montevideo und Buenos Aires zu besuchen. Wir haben in Montevideo ein sehr zentral gelegenes Airbnb an der Calle Sarandi gemietet für die ersten paar Tage. Es findet gerade ein Frühlingsfest statt, die Bevölkerung bummelt durch die Altstadt, Bars und Restaurants haben heraus gestuhlt und werden rege besucht. Wir sitzen in einem Cafe und staunen: viele Leute ob jung oder alt flanieren mit einem Mate Becher in der Hand vorbei, die Thermoskanne wird unter den Arm geklemmt oder in einem selbstgezimmerten Holzkästchern mitgetragen. Es wird angehalten, nachgeschenkt, getrunken und geschwatzt. Alles geschieht mit einer eleganten Natürlichkeit, uns wäre schon beim ersten Versuch entweder der Becher oder die Thermoskanne zu Boden gefallen.
Wir laufen viel: kreuz und quer durch die Stadt unter anderem auch zum Mirador Panoramico,. Vom
22. Stock geniessen wir den ersten Rundblick über das riesige Montevideo. Einige Häuser sind schön renoviert, jedoch die meisten haben argen Renovationsbedarf. Viel Armut und Obdachlosigkeit ist sichtbar, die Stimmung haben wir aber immer friedlich erlebt. Nie haben wir uns bedrängt oder unwohl gefühlt. Das markanteste Gebäude ist der Palacio Salvo, der 1928 vom italienischen Architekten Mario Palanti erbaut wurde. Der Palacio galt lange mit 101m als das höchste Haus in MVD und wurde als Hotel genutzt. Heute sinds kleine (altmodische) Wohnungen, z.T. als Airbnb vermietet. Wir packen die Gelegenheit und mieten für unseren zweiten Aufenthalt ein Airbnb im Palacio!
Die Formalitäten für die Einfuhr vom IVECO sind, gemäss der guten Anleitung von Seabridge, ohne Probleme schnell erledigt. Für die Zollabfertigung nehmen wir die Hilfe von Eduardo Kessler in Anspruch. Diese wird frühestens in 2 Wochen sein. Wir treffen Doris und Markus zum Zvieri im Cafe Brasilero, sie werden demnächst ihren Camper erhalten und wir sagen tschüss auf irgendwann und wo im Süden und wünschen gute Reise.
Mit dem Bus gelangen wir nach Colonia del Sacramento und werden am Busbahnhof von Susanne Althaus abgeholt. Wir verbringen zwei herrliche, entspannte Tage auf ihrer Posada Casavieja und werden kulinarisch verwöhnt. Die Schweizer Susanne und Ruedi Althaus sind 2019 nach Uruguay ausgewandert und haben in Riachuelo Gäste Bungalows aufgebaut. Bei ihnen ist ein richtiger Treffpunkt für viele Touristen aus Europa ob mit Camper, Mietwagen oder ÖV unterwegs, entstanden. Von Colonia bringt uns die Fähre nach Buenos Aires.
Vom Fährhafen können wir zu Fuss unser Airbnb an der Avenida Cordoba erreichen, ebenfalls zu Fuss geht es auf Erkundigungs- und Einkaufstour. Wir bewegen uns im Stadtzentrum völlig angstfrei, auch abends gehen wir zu Fuss aus. Die weiter entfernten Quartiere Telmo, Palermo und La Boca besuchen wir mit dem Bus. Dafür haben wir in einer U Bahnstation eine aufladbare Karte erstanden, vom Guthaben werden jeweils die Busfahrten für uns zwei abgezogen. Man muss nur den Zielort angeben können, ansonsten wird einem die längstmögliche Fahrt abgebucht! Von der angeblichen schweren Kriminalität merken wir nichts, aber wir sehen viel Armut. Die Abfallcontainer werden immer wieder durchwühlt, die Hauseingänge sind meist verbarrikadiert, damit sich keine Obdachlosen einrichten können. Und diese sehen wir bei strömendem Regen, wie sie unter Parkbänken etwas Schutz suchen. In der Zeitung lese ich, dass heute und morgen der berühmte argentinische Tänzer/Choreograph und Ballettdirektor aus London Inaki Urlezaga mit einem Teil seiner Truppe ein Ballettstück „El aplauso final“ aufführt. Wir versuchen unser Glück, erstehen an der Kasse des Teatro Opera Tickets für zwei sehr gute Plätze und geniessen eine fabelhafte Darbietung. Inaki Urlezaga, der vor 8 Jahren seine aktive Karriere als Tänzer beendet hat, zieht extra für seine Heimat nochmals Ballettschuhe an und tanzt in einem Teil mit.
Der nächste kulturelle Höhepunkt folgt gleich am nächsten Tag: ein Symphoniekonzert mit dem Violin Solisten Pinchas Zukermann im Teatro Colon. Was für ein sensationelles Erlebnis in diesem altehrwürdigen Theater mit fantastischer Akustik einen grossen Meister hören und sehen zu können.
Yves und Susanne fliegen von BA aus nach Hause und wir freuen uns sehr sie noch sehen zu können. Wir geniessen zusammen einen sonnigen Nachmittag, bummeln durch die Stadtmitte, über den Puente de la Mujer von Calatrava und essen ein feines Nachtessen im el Huacho. Nun sind auch unsere Tage in BA um und es geht mit ÖV zurück nach Montevideo. Wir freuen uns auf ein paar Tage im Palacio Solis.
Unser Ro-Ro Schiff ist angekommen, wir erwarten die IVECO Übernahme für den übernächsten Tag. Wir fahren mit dem Bus auf Shoppingtour, im Géant kaufen wir allerhand Vorräte ein. Abends gehen wir ins Teatro Solis, wo Liya Wang ein wunderbares Klavierkonzert gibt. Hoffentlich wird die Welt noch viel von dieser jungen chinesischen Pianistin hören. Hans meint, nun sei sein Kulturbedarf für die nächsten Wochen gedeckt und er freut sich aufs “in the middle of nowhere”.
Aussicht aus unserem Airbnb im Palacio Salvo, 8.Stock

Am nächsten Mittag ist im Cafe La Farmacia einiges los, mehrere Camper-Abholende haben sich hier zum Lunch eingefunden, wie wir auch. Die Nervosität ist spürbar und wie erleichtert sind wir alle, als 5 Stunden später die Besitzer ihre Camper herausfahren. Grosses Glück: alle Gefährte sind gut angekommen, keiner der Camper wurde durchwühlt.



































